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Gerechtigkeit und Tod

Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ steht heuer auf dem Sommerprogramm der Grenzlandbühne Leopoldschlag. In der Inszenierung von Regisseur Helmut Boldog überzeugt die tragische Komödie um die unermesslich reiche Claire Zachanassian in erster Linie als Psychogramm des Racheopfers Alfred Ill.

Die Kleinstadt Güllen ist verarmt und heruntergekommen (zeitgemäß die Begründung – Machenschaften der Hochfinanz und der Banken). Da sagt sich eine einstige Bewohnerin des Städtchens an: Claire Zachanassian, einst Klärchen Wäscher, die als reichste Frau der Welt den Bürgern der Stadt als letzte Hoffnung gilt. Tatsächlich bietet sie der Gemeinde sofort eine Milliarde Dollar an. Dafür fordert sie allerdings Gerechtigkeit. Für sie bedeutet das den Tod des Alfred Ill (Bernhard Jahn), der sie als junges Mädchen verführt, geschwängert und verraten hat. Mit ihrem Reichtum macht sie die Bürger der Stadt Güllen zu Erfüllungsgehilfen ihrer unerbittlichen Rache und wird so in ihrem Heimatort zur Herrin über Leben und Tod.

Zum tragischen Helden wird der Krämer Alfred Ill, der anfangs eigentliche Schuldige, der seine Entwicklung von Empörung über Hoffnung, Grauen, Angst bis zur Resignation erlebt, und schließlich zur Klarheit findet, aus der Sicherheit, dass sein Tod unausweichlich ist, da selbst Bürgermeisterin, Pfarrer, und auch seine Frau samt Kindern sich der Macht des Geldes unterwerfen.

Bernhard Jahn als Alfred Ill berührt durch seine Darstellung all dieser Phasen der Entwicklung. Er gewinnt tragische Größe in der Ruhe seines Abgangs. Claire Zachanassian (Martina Lanzerstorfer), die in einem – sehr überzeichneten – römischen Kampfwagen erscheint, bleibt, wie es die Rolle vorsieht, stets kalt und unberührt und stellt so den Kontrast zur Dramatik des Geschehens eindrucksvoll dar.

Die Grenzlandbühne Leopoldschlag liefert damit auch heuer wieder einen deutlichen Beweis dafür, dass im Amateurtheater Niveau, Qualität und Professionalität eine große Bedeutung haben.

Neues Volksblatt vom 2. August 2010

Ein gelungener Besuch der alten Dame auf der Grenzlandbühne

Mit einer erfolgreichen Premiere des Stücks „Der Besuch der alten Dame“ eröffnete die Grenzlandbühne am Freitag ihre Sommertheatertage. Das Publikum zeigte sich begeistert von der modernen Inszenierung.

Das Städtchen Güllen steht vor dem Bankrott. Da kündigt sich die Milliardärin Claire Zachanassian (fabelhaft arrogant: Martina Lanzerstorfer) an. Sie will ihre Heimatstadt wieder sehen. Bei der Bürgermeisterin (unterhaltsam verlogen: Astrid Wagner) und den Stadtbewohnern weckt dies die Hoffnung nach einer Spende, die Güllen wieder in Schwung bringen soll. Um der Milliardärin das Geld aus der Tasche zu locken, soll ihr alter Jugendfreund Ill (überzeugend immer paranoider: Bernhard Jahn) die Zachanassian an ihre schöne Zeit in der Heimat erinnern.

Doch es kommt anders – die Milliardärin ist gekommen, um Rache zu nehmen an Ill, der Zachanassian, als sie ein Kind von ihm erwartete, verleugnet und eine andere geheiratet hat. Zachanassian war danach zur Auswanderung und Prostitution gezwungen. „Du hast dein Leben gewählt und mich in das Meine gezwungen. Nun will ich Gerechtigkeit, Gerechtigkeit für eine Milliarde“, verkündet die Milliardärin vor allen Stadtbewohnern. Für diese Milliarde will sie, dass Ill getötet wird – was die Stadtbewohner erst noch rigoros ablehnen. Doch als das Blatt sich langsam zu wenden beginnt, bekommt Ill es mit der Angst zu tun. Zu Recht?

Das spannende Stück von Friedrich Dürrenmatt rund um die Frage „Kann man für Geld alles kaufen?“, inszenierte Regisseur Helmut Boldog angenehm unaufgeregt für die Grenzlandbühne. Neben der Leistung der Laiendarsteller überzeugte auch das kreativ-praktische Bühnenbild und die Liebe zum Detail bei den Kostümen, die den Stimmungswandel in der Stadt verdeutlichten. Viel Applaus sowohl für das Team auf der Bühne, wie auch für jenes hinter den Kulissen.

OÖ Nachrichten vom 3. August 2010

Am Ende stirbt er doch

1752 Besucher an neun Aufführungstagen (Rekordkulisse!) sprechen wohl eine eigene Sprache: Vom 30. Juli bis 15. August 2010 durfte man Augen- und Ohrenzeuge einer grandiosen Inszenierung des Stückes „Der Besuch der alten Dame“ an der Grenzlandbühne Leopoldschlag sein.

Quintessenz des Stückes: Claire Zachanassian kehrt nach Jahren wieder in ihre Heimatstadt Güllen zurück. Sie will Rache an Alfred Ill, der sie einst schwanger sitzen gelassen hat. Claire bietet den Bewohnern der Stadt eine Milliarde dafür, dass sie Ill töten. Letzten Endes schreiten die Güllener tatsächlich zur Tat und realisieren den tödlichen Plan.

Unter der erstmaligen Regie von Helmut Boldog und mit einem futuristisch gestalteten Bühnenbild im Hintergrund wuchsen die Schauspieler (allesamt Amateure) über sich hinaus. Bernhard Jahn sowie Martina Lanzerstorfer (Alfred Ill und Claire Zachanassian) haben neuerlich den Beweis erbracht, dass sie allen Vergleichen mit Profischauspielern standhalten. Es ist nicht möglich, die Leistung jedes einzelnen Akteurs zu würdigen, da dies den Rahmen sprengen würde. Sehr schön zu beobachten war jedoch, dass das Grenzlandbühneteam mit den neuen Produktionsleitern Bernhard Jahn und Johannes Klopf versucht hat, gemäß dem Motto „Theater aus dem Volk für das Volk“ talentierte Personen, welche das Schauspielern erst im Laufe der letzten zwölf Monate für sich entdeckt haben, in das Stammensemble einzubauen.

„Lässt sich mit Geld alles kaufen?“, hieß das Festivalmotto 2010. Diesen Titel trägt auch ein Vortrag, den die Grenzlandbühne Leopoldschlag in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk Leopoldschlag veranstaltet.

Dr. Roland Steidl, ein Philosoph und Kommunikationstrainer, wird am Donnerstag, 07. Oktober 2010, erörtern, ob mit Geld auch Freundschaft oder Glück erwerbbar sind. Die Veranstaltung wird im Pfarrheim Leopoldschlag ab 20 Uhr „über die Bühne gehen“.

Leopoldschlag aktuell findet: Die Sommertheatertage sind 2011 im magischen drei-zehnten Jahr ihres Bestehens – beschert uns auch im nächsten Jahr so magische Theatermomente wie 2010!

Leopoldschlag aktuell, August 2010

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